Frakturschriften Belegung

Das Schriftbild der gebrochenen Schriften hat in der Geschichte einige Besonderheiten entwickelt, die im heute gebräuchlichen „lateinischen“ Alphabet nicht mehr üblich sind.

Die Frage, wie damit heute auf dem Computer umzugehen ist, wird unterschiedlich beantwortet. Wir versuchen mit unseren Schriften einen eher pragmatischen Zugang, der ohne spezielle Tastaturtreiber auskommt und auf OpenType-Features der Zeichenersetzung verzichtet, solange diese Möglichkeiten noch nicht in alle gebräuchlichen Textverarbeitungen eingebaut sind.

Das Für und Wider unterschiedlicher Ansätze beim Schreiben und Setzen von Fraktur verdiente eine eigene Abhandlung. Hier soll der Übersichtlichkeit wegen nur dargestellt werden, wie die Fontgrube-Schriften im Blick auf die Besonderheiten der Fraktur eingerichtet sind.

Langes s

Typisch für Fraktur ist das „lange s“ (ſ ), das in der karolingischen Minuskel die einzige Form dieses Buchstabens war. Später wurde es im Deutschen am Ende von Wörtern und Wortteilen durch das Kurven-s ersetzt. Andere Sprachen folgen anderen Regeln.

Das lange ſ kommt bis ins 18. Jahrhundert auch in Antiqua-Schriften vor und hat daher in der Unicode-Tabelle einen eigenen Platz auf #383 bekommen. In unseren Schriftarten ist es dort auch abgelegt. Da der Buchstabe aber relativ häufig gebraucht wird und auf vielen Systemen (Windows) nur umständlich über eine Zeichentabelle einzugeben ist, haben wir ein Duplikat auf den vertikalen Strich (AltGr-<) gelegt.

Zeichenverbindungen (Ligaturen)

Die Fraktur kennt zahlreiche Buchstabenverbindungen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hat sich ein fester Bestand an Ligaturen herausgebildet, die als verpflichtend angesehen wurden. Nur ein Teil davon bildet eigene Figuren: ch, ck und tz. Diese werden auch in unserem Schriftsystem vorgehalten.

Soweit sich die Ligaturen durch bloßes Zusammenrücken der Buchstaben realisieren ließen, wurde das Kerning für die Kombinationen entsprechend eingestellt (meist bei ch und ck). Achten Sie darauf, daß in Ihrer Textverarbeitung oder Ihrem DTP-Programm Kerning bzw. Unterschneidung in der Zeichenformatierung aktiviert ist.

In (einigen Programmversionen von) Word® finden Sie dieses Merkmal beispielsweise unter Format - Zeichen - Zeichenabstand - Unterschneidung. In OpenOffice ist unter Format - Zeichen - Position das Kästchen vor „Paarweises Kerning“ zu aktivieren.

Aktiviertes Kerning läßt ch und ck (manchmal auch tz) automatisch als Ligatur erscheinen. Auch die Kombination „ft“ wird oft als Ligatur zusammengezogen. Wird das einmal nicht gewünscht (z. B. im Wort „Hoftor“), kann für diese Buchstaben in der Zeichenformatierung die Unterschneidung abgeschaltet werden.

In manchen Schriften wird allerdings durch ein eigenes Zeichen eine schönere Ligatur erreicht. Ein tz findet sich dann auf der schließenden geschweiften Klammer }, ch und ck auf den mathematischen Zeichen < beziehungsweise >.

Andere Buchstabenkombinationen wie ſt, die bei den meisten Frakturschriften keine wirkliche optische Verbindung eingehen, werden nur durch entsprechendes Kerning unterstützt. Diese Ligaturen gehen auf die Bleisatz-Technik zurück, die zur Vermeidung unschöner Abstände bzw. häufiger Unterschneidung beide Buchstaben auf einem Bleikegel zusammenfügte. Im Sperrsatz sehen ungesperrte Kombinationen wie st oder ck meines Erachtens eher unschön aus.

Auch einige andere Fontgrube-Schriften haben ein langes s oder eine tz-Ligatur. Sie werden entsprechend behandelt.